....Golgatha der Donauschwaben
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Das Ende des Zweiten Weltkriegs fand die Donauschwaben an mehreren Orten in Europa vor. Die meisten von ihnen befanden sich jedoch in ihrer Heimat in Jugoslawien – der heutigen Vojvodina. Aber diese Bevölkerungsgruppe bestand aus älteren Menschen, Frauen und Kindern. Fast alle diensttauglichen jüngeren Männer waren auf den stummen Schlachtfeldern. Sie, die Überlebenden, 102.000 1 von ihnen, waren bereit, sich im Oktober den Gewinnern zu ergeben. Davon konnten 10.600 entkommen, also fast genau 10 %. Davon wurden etwa 90.000 an Titos Regime ausgeliefert 2.

Bei Kriegsende befanden sich noch ca. 151.000 Donauschwaben in Batschka, von denen ca. 71.500 die Flucht gelang, also ca. 46,5 %. Die restlichen 79.000 waren dem Regime Titos ausgeliefert und wurden in Konzentrationslager deportiert. Im Herbst 1944 lebten im Banat etwa 102.000 Donauschwaben.

Einschließlich Srem lässt sich schlussfolgern, dass es im Herbst 1944 etwa 200.000 Angehörige der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien gab, die unter der Aufsicht sowjetischer Truppen und Partisanen standen. Das heißt, bis zum Einmarsch der sowjetischen Armee in Jugoslawien gelang es etwa 300.000 Angehörigen der deutschen Volksgruppe, Jugoslawien durch Evakuierung oder Flucht, oder dank der Tatsache, dass sie außerhalb Jugoslawiens gefangen waren, "zu verlassen".

Etwa 200.000 Zivilisten (Donauschwaben) landeten in den Lagern, was bedeutet, dass fast alle in Jugoslawien verbliebenen Zivilisten in Lager deportiert wurden. Ungefähr 60.000 Zivilisten, fast ein Drittel, wurden zum Opfer des Lagers 3.

Diejenigen Donauschwaben, die sich entschieden, Jugoslawien zu verlassen, taten dies auf verschiedene Weise. Sie organisierten sich in Dörfern und luden in Pferdewagen nur das Nötigste, was sie auf der Reise brauchten (Nahrung für sich und für Pferde, Kleidung und Schuhe). Diejenigen, die weniger Familienmitglieder hatten, nahmen Personen, die kein eigenes Transportmittel hatten oder mehr von ihnen in der Familie waren, in ihren Pferdewagen auf. Die Donauschwaben, die in der Nähe der Bahnlinie wohnten, hatten die Möglichkeit, ihre Heimat mit dem Zug zu verlassen. Dies taten mehrere Tausende von ihnen, bei mehreren Abfahrten von “Zügen ohne Fahrplan”. Einige von ihnen verließen ihre Heimat auf dem Wasserweg, aber das war aufgrund der Kontrolle der Wasserstraßen durch die Alliierten eine geringe Zahl. Im Allgemeinen könnten wir feststellen, dass alle, die Jugoslawien verlassen wollten, dies taten. Diejenigen, die sich so entschieden, blieben, aber auch die Unentschlossenen, vor allem diejenigen, die über größere Grundstücke verfügten. Sie wussten nicht, was die sozialistische Revolution bedeutete (oder sie wussten nicht einmal, dass eine sozialistische Revolution am Werk war) und sie gingen nicht davon aus, dass ihr Eigentum in irgendeiner Weise beschlagnahmt würde.

Flüchtlinge beendeten ihr Golgatha in Deutschland und in geringerem Maße in Österreich. Sie wurden jedoch von den Gastgebern feindselig aufgenommen, was nicht verwunderlich ist. Deutschland wurde verwüstet, zum Teil auch Österreich, es gab keine Wirtschaft, keine Nahrung, das Leben in den Städten war in Schutt und Asche gelegt.

Deutschland stand in der Nachkriegszeit bei der Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen vor zahlreichen Problemen und Herausforderungen. Damals kamen 12,5 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland. Sie waren Bürger Rumäniens, Ungarns, Jugoslawiens, der Tschechoslowakei, des Baltikums und Polens. Diese Leute wurden in mehreren Bundesländer und Städten aufgeteilt. In Baden-Württemberg war 1961 jeder fünfte Einwohner ein Flüchtling. Es gab erhebliche kulturelle Unterschiede zwischen Flüchtlingen, ebenso wie zwischen Flüchtlingen und Gastgebern. Daher war es notwendig, nicht nur die Existenz dieser Menschen zu sichern, sondern auch sicherzustellen, dass keine Bedingungen geschaffen werden, die die Entstehung von Unruhen oder die Entwicklung solcher gesellschaftlicher Beziehungen begünstigen, die den neu geschaffenen Frieden und stören würden. In diesem Sinne war es verboten, eigene Parteien oder Organisationen mit politischen Zielen zu gründen. Daher war im ersten Bundestag keine Flüchtlings- oder Vertriebenenpartei vertreten 4.

Doch mit übermenschlichen Anstrengungen, Kooperation von Gastgebern und "Gästen" und vor allem mit Hilfe aus Amerika und dem sogenannten Marshallplan wurde Deutschland sozusagen in Rekordzeit wieder aufgebaut. Einen großen Beitrag zum Wiederaufbau Deutschlands leisteten die Donauschwaben, die heute überwiegend im reichsten deutschen Bundesland Baden-Württemberg wohnen.

Stjepan A. Seder


1, 2 - Georg Wildmann: Donauschwäbische Geschichte, Donauschwäbische Kulturstiftung, München 2015, S. 297.
3 - Georg Wildmann: Donauschwäbische Geschichte, Donauschwäbische Kulturstiftung, München 2015, S. 298.
4 - Dieser Text verwendet Daten der Baden-württembergischen Erinnerungsorte SONDERDRUCK, W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 2012 Die Charta der deutschen Heimatvertriebenen.