....Wer sind die Donauschwaben?
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Der Begriff Donauschwaben ist ein Sammelbegriff für all jene Deutschen, die sich in der Pannonischen Tiefebene ‒ dem mittleren Donauraum ‒ niedergelassen haben. Da sie aus verschiedenen Stämmen kamen und da der Name Volksdeutsche bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs für all jene Deutschen, die außerhalb des Deutschlands lebten, verwendet wurde, kam die Wissenschaft auf die Idee, einen Namen für jene Deutschen zu erfinden, die im Gebiet der Pannonischen Tiefebene bzw. im mittleren Donauraum gelebt haben. Diese Deutschen waren zahlreich, sie lebten lange im pannonischen Raum, sie schufen ihre eigene Geschichte, Kultur, Tradition usw. Auf diese Weise unterscheiden sie sich deutlich sowohl von den Deutschen (das sind deutsche Staatsbürger) als auch den Volksdeutschen (das sind Deutsche, die in anderen Ländern der Welt leben).

Die Donauschwaben waren Gegenstand zahlreicher Forschungen sowohl in den Reihen der Donauschwaben selbst als auch in der deutschen Wissenschaft. Die Schlüsselfigur in der Selbstfindung der Donauschwaben war Josef Volkmar Senz (1912 ‒ 2001), ein gebürtiger Apatiner. In seinem Buch Eine kurze Geschichte der Donauschwaben für Jugend und Volk stellte er kurz die geschichtliche Entwicklung der Donauschwaben seit der Besiedlung vor. Diesem Buch lag die Idee zugrunde, dass die Donauschwaben, ausgehend von ihrer Siedlungsgeschichte, zu einer deutschen Stammentität verschmolzen, die trotz der Dreiteilung im Jahr 1918 so geblieben ist und im neu gegründeten Begriff Donauschwaben 1922 von Robert Ziger (Geograf) und Hermann Riediger (Geologe, seit 1941 Direktor des Deutschen Auslandsinstituts), historisch geprägt werden konnte 1.

Diesem Thema widmete sich zusätzlich der junge Historiker Filip Krčmar in seiner Masterarbeit "FESTSTELLUNG DER NATIONALEN IDENTITÄT DER DONAUSCHWABEN 1918‒1933" im Jahr 2009.

Die Deutschen, die im Gebiet der heutigen Vojvodina lebten, sahen und erlebten sich laut seiner Masterarbeit, als Teil eines größeren Ganzen, als Teil der zahlreichen donauschwäbischen Bevölkerung, die sich nach 1918 in den Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns befand. Diese Art nationaler Identität, deren Träger "Deutsche in Ungarn" waren, wird heute als Donauschwaben bezeichnet, "neuer" oder häufiger "jüngster Stamm des deutschen Volkes, der seinen Ursprung den Migrationsbewegungen im 18. und 19. Jahrhundert" zu verdanken hat.

Der Begriff Donauschwaben ist nicht als nationale Determinante zu verstehen, denn er ist es nicht, sondern ausschließlich als historischer. Auch der Begriff „Vojvodina-Schwaben stellt keine nationale, sondern eine geographische Determinante dar und umfasst gleichzeitig die deutsche Bevölkerung im Raum Batschka, Banat und Srem (nicht Baranja).“

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem in Jugoslawien Völkermorde an den Donauschwaben verübt (siehe Text „Völkermord an der deutschen nationalen Minderheit in Jugoslawien“ auf der Website: www.stjepan-a-seder.com) ‒ sie erlebten einen Exodus, wurden vertrieben, ob mit Gewalt oder nach eigenem Willen, fliehend vor den realen Gefahren des Alltags, angefangen von der Beschlagnahme des Vermögens bis hin zu Lager und Mord. Heute leben sie neben ihrem angestammten Lebensraum in Baden Württemberg und Bayern auch im Elsass, in der Schweiz, in den USA, im Kanada, Argentinien, Brasilien, Australien, Neuseeland, ...

Stjepan A. Seder


1 - Georg Wildmann: Der Ursprung der Dokumentation Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien