....Beschlagnahme und lager
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Das Schicksal der Donauschwaben wurde schon während des Krieges auf der Ersten Sitzung der AVNOJ in Jajce vom 21. bis 29. November 1943 entschieden. Obwohl zu diesem Zeitpunkt keine formelle Entscheidung getroffen wurde, bereitete die Proklamation in Form eines Flugblattes, das während der Sitzung erschien, Richtlinien für die formellen Entscheidungen auf der zweiten Sitzung der AVNOJ im Jahr 1944 vor. Die Proklamation nahm das Schicksal der Donauschwaben vorweg, indem sie als kollektive Schuldige für alle Unglücke und Kriegsleiden der jugoslawischen Bürger bezeichnet wurden.

Georg Wildmann schreibt: „Moša Pijade war zusammen mit Edvard Kardelj Autor aller Beschlüsse, die der Vollversammlung der AVNOJ am 29. und 30. November 1943 vorgelegt und praktisch unverändert angenommen wurden. Er war serbisch-jüdischer Herkunft, fühlte sich wie ein Serbe und war einer der Radikalen im Politbüro. In einer Erklärung, die er und Kardelj für "Volksfeinde" und "Vaterlandsverräter" formulierten, rief Pijade zur Aberkennung der Bürgerrechte und zur Todesstrafe auf. Damit war der Weg frei für die Vernichtung und/oder Vertreibung der Donauschwaben, denn in den Augen der Partisanen galten sie kollektiv als „Volksfeinde“ und „Faschisten“. Sie galten allgemein als Kollaborateure der Besatzer, zumal sie aufgrund ihrer deutschen Herkunft eine besondere Solidarität mit deutschen Militärverbänden und dem deutschen "Faschismus" haben sollten 1.

Auf derselben Sitzung von AVNOJ wurde die Gleichheit aller südslawischen Völker verkündet, die, wie angenommen wurde, einen neuen Staat bilden würden ‒ Jugoslawien. Die Donauschwaben sind nicht als "anerkannte" Volksgruppe (Deutsche) gekennzeichnet. Darüber hinaus erschien eine Erklärung zu Deutschen, die sogenannte AVNOJ-Entscheidung, die als Orientierungshilfe für alle weiteren Maßnahmen gegen die deutsche Volksgruppe in Jugoslawien dienen sollte 2.

Die Entscheidung von AVNOJ stellte fest:

1. Alle in Jugoslawien lebenden Personen deutscher Herkunft verlieren automatisch die jugoslawische Staatsbürgerschaft und alle Bürgerrechte.

2. Es wird davon ausgegangen, dass das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen aller Personen deutscher Herkunft dem Staat entzogen wurde und automatisch in sein Eigentum übergeht.

3. Personen deutscher Herkunft können keine Rechte geltend machen oder ausüben und sich auch nicht an Gerichte und Institutionen zu ihrem persönlichen und rechtlichen Schutz wenden 3.

AVNOJ hat sich mit der möglichen Organisation eines neuen Staates beschäftigt oder zumindest davon ausgegangen, was für eine Gesetzgebung er haben würde und wer das Recht hätte, in diesem Staat zu leben, d.h. alle Bürgerrechte zu genießen. In dieser Sitzung wurden Richtlinien für die Beseitigung der Donauschwaben und ihre Vertreibung erarbeitet, da sie in der Ideologie der Partisanenbewegung als "Kollektivfeinde des Volkes" und "Faschisten" galten. Sie betrachteten sie als Kollaborateure der Besatzer, weil sie von einer besonderen Solidarität mit deutschen Militärverbänden und dem deutschen "Faschismus" ausgingen 4.

Nach Kriegsende wurde gemäß dem Beschluss der AVNJ das Vermögen aller Angehörigen der deutschen nationalen Minderheit beschlagnahmt. In der Begründung über Beschlagnahme heißt es nur, dass der genannte Deutsche/Deutscher ist. Das war genug und das Einzige, was zur Beschlagnahmung des Eigentums nötig war. Von der Beschlagnahme befreit waren nur diejenigen Deutschen, die auf der Gewinnerseite am nationalen Befreiungskrieg teilgenommen hatten, wenn sie in einer Mischehe standen oder aus einer Mischehe stammten.

Der Besitz wird auch von den Donauschwaben beschlagnahmt, die ihren Mitbürgern, fast ausschließlich Serben, weil sie von den Besatzern entweder als Geiseln oder als Auserwählte zum Tode ins Visier genommen wurden, große menschliche Taten und moralische Dienste erwiesen haben. Auch auf sie konnte die Klausel des AVNOJ-Beschlusses nicht übertragen werden, sodass sie mit den Teilnehmern der NOB gleichgesetzt werden können. Dies galt weder für Aleksandar Karius - Kāpa, dessen Aktivitäten zur Freilassung von 500 als Geisel genommenen Serben aus den Lagern in Sremska Mitrovica und Jasenovac führten, noch für Eugene Paul aus Kovin, der etwa 100 seiner Mitbürger vom sicheren Tod rettete und mit seinem Leben und dem Leben seiner Familienmitglieder für sie bürgte. Ihr Eigentum wurde ebenfalls beschlagnahmt, aber sie wurden nicht in Lager deportiert. Das war vielleicht eine Belohnung.

Angehörige der deutschen nationalen Minderheit (Donauschwaben), die (aus verschiedenen Gründen) in Jugoslawien blieben, wurden in über 100 Lager für Deutsche deportiert. Das waren meistens alte Männer, Frauen und Kinder, weil alle jungen, diensttauglichen Männer an die Ost- oder anderen Fronten in ganz Europa geschickt wurden. Sie wurden zuvor vertrieben und ihr gesamter Besitz wurde beschlagnahmt: Immobilien und bewegliches Eigentum, Vieh, Lagerwaren, Fahrzeuge, Schiffe, Handwerksbetriebe, Manufakturen und Fabriken, Geld.

166.970 von ihnen/Donauschwaben kamen ins Lager, 48.447 weniger verließen das Lager.

Georg Wildmann schreibt in seinem Buch „Donauschwäbische Geschichte“:

"Von 166.970 Zivilisten, den Donauschwaben, die seit Oktober 1944 interniert waren, starben 48.447 in Arbeits-, Zentral- und Vernichtungslagern.

Davon:

- An Hunger gestorben: Kinder 5.542, Frauen 25.740, Männer 16.390, Insgesamt 47.654
- Getötet: Kinder 14, Frauen 175, Männer 369, Insgesamt 558
- Selbstmord: Kinder 4, Frauen 32, Männer 24, Insgesamt 60
- Fehlt: Kinder 40, Frauen 40, Männer 95, Insgesamt 175
- Insgesamt: Kinder 5.582, Frauen 25.987, Männer 16.878, Insgesamt 48.447

Die Zahl der Getöteten sollte als untere Grenze betrachtet werden 5.“

All diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass es heute (laut Volkszählung 2011) nur noch 4.064 Angehörige der deutschen nationalen Minderheit gibt, verglichen mit etwa 550.000 in Jugoslawien vor dem Zweiten Weltkrieg. Natürlich sind diese Daten nicht vergleichbar, denn einige beziehen sich auf Jugoslawien, andere auf Serbien, aber wenn wir wissen, dass die Donauschwaben in der heutigen Vojvodina lebten, dann können wir zumindest das Ausmaß dieser Maßnahmen erkennen, obwohl wir keine statistischen Schlussfolgerungen in absoluten Zahlen ziehen können.

Stjepan A. Seder


1, 2, 3, 4 - Dr Georg Wildmann: FENSTER Nr. 15 - Auf der Konferenz der Partisanen Jugoslawiens in Jajce/Bosnien im November 1943 wurde das Schicksal der Jugoslawiendeutschen vorentschieden.
5 - Georg Wildmann: Donauschwäbische Geschichte, Band IV, München 2015, S. 419