....Vorwort für die ausstellung .....Donauschwaben in wort, bild und foto
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Da wir wissen, dass wir mit dieser Ausstellung qualitativ und quantitativ nicht das gesamte Leben der Donauschwaben in der Vojvodina (als Teil des mittleren Donauraums und der Pannonischen Tiefebene) umfassen können, sind wir bewusst das Risiko eingegangen, von der kritischen Öffentlichkeit und den Experten nicht richtig verstanden und bewertet zu werden. Wir erwarten jedoch, dass diese Ausstellung dazu beiträgt, dass diejenigen, die nichts über die Donauschwaben wissen, zumindest grundlegende Informationen über sie und ihr Leben in der Vojvodina (Österreich, Österreich-Ungarn, Jugoslawien und Serbien) erhalten. Dies ist uns besonders wichtig, wenn es um die jüngste Bevölkerung geht, denn die Donauschwaben sind kein Thema in Grund- und weiterführenden Schulen. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs waren die Donauschwaben die zahlreichste Volksgruppe in Jugoslawien und stellten die relative Mehrheit der Bevölkerung im Gebiet der heutigen Vojvodina.

Der Beitrag, den die Donauschwaben in der Vojvodina geleistet haben, ist unermesslich. Durch die Ansiedlung brachten sie in die Vojvodina "fortgeschrittene Kultur Mitteleuropas“. Sie brachten hygienische Gewohnheiten, einen Pflug, der den Boden nicht nur pflügte, sondern auch wenden konnte, Fruchtfolge, intensiv statt extensiver Viehzucht. Darüber hinaus setzten sie Lösungen für die Organisation von Siedlungen ein, sodass alle Dörfer in der Vojvodina ein bisschen ähnlich aussehen. Im Zentrum des Dorfes errichteten sie eine Schule, eine Kirche und ein Kulturzentrum. Nach dem „Abbild“ der neu errichteten Siedlungen der Donauschwaben wurden die verstreuten serbischen und rumänischen Dörfer gebaut. Nun, die Donauschwaben haben ihr Wissen im Laufe ihres Lebens verbessert und an das Leben in einer neuen Umgebung angepasst, aber sie haben sich auch neues Wissen angeeignet 1.

Gerhard Seewan schreibt: „Das Wichtigste aber, was die deutschen Siedler mit nach Ungarn brachten, waren ihre Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiet der Landwirtschaft. Die Siedler beherrschten moderne Methoden der Landbewirtschaftung, mit denen das Land besser bewirtschaftet werden konnte. Sie verfügten über Kenntnisse in Bezug auf die rationelle Bewirtschaftung des Haushaltes und den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte, kurz ‒ sie verfügten über das notwendige Rüstzeug für gewinnorientiertes Wirtschaften, das den unrentablen Betrieb einheimischer Landwirte für den Eigenbedarf ersetzte. Die Siedler kannten das System der Dreifelderwirtschaft, das auf der Änderung der Reihenfolge der bewirtschafteten landwirtschaftlichen Parzellen beruhte, wobei sie sich auf die Methoden der Landvermessung stützten, die in ihrer neuen Heimat verwendet wurden. Sie kannten bereits die Methoden, die Fruchtfolge zusammenzustellen, das Feld zu düngen, Klee anzubauen, damit immer ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche bewirtschaftet und ständig genutzt werden konnte. Der anschließende Verlust von Weiden wurde von den Siedlern durch die Fütterung der Tiere in offenen Sommerställen und die Ausbringung von Dünger auf den Feldern ausgeglichen. Die Ertragssteigerung wurde durch tieferes Pflügen durch den Einsatz schwerer Eisenpflüge, die häufiger von Pferden als von Ochsen gezogen wurden, sowie durch den Anbau neuer Kulturpflanzen und anspruchsvoller Kulturpflanzen wie Wein oder Tabak erreicht 2.

Die Donauschwaben bauten ihr Leben in einer neuen Landschaft, die schließlich ihre Heimat werden sollte, entwässerten Teiche und Sümpfe, verbanden die Donau und die Theiß (Donau-Theiß-Donau-Kanal) und bauten Dämme entlang der Donau und Theiß und schufen so die "Kornkammer Europas." Da sie auch aus verschiedenen deutsch-germanischen Stämmen und mehreren Ländern kamen, brachten sie die Grundsätze der gutnachbarlichen Beziehungen und des Zusammenlebens mit anderen und unterschiedlichen mit, die Mitglieder dieser Volksgemeinschaften traditionell pflegen.

Für diese Leistung wurden die Donauschwaben mit Beschlagnahme des Vermögens, Lager, Entrechtung der Bürgerrechte nach dem Zweiten Weltkrieg und mit großzügiger Genehmigung des Staates auszuziehen, nach der Entlassung aus dem Lager und Zwangsarbeit, belohnt. Aus dem beschlagnahmten Vermögen schuf der Staat eine materielle Basis, die er für seine Entwicklungsprojekte nutzte, die er aber nicht richtig umsetzen konnte, weil er über keine Fachkräfte verfügte und Fachkräfte (Donauschwaben) befanden sich in über 100 Lagern quer durchs Land.

Stjepan A. Seder


1 - Stjepan A. Seder: Verheerende Folgen, S.
2 - Gerhard Seewan: Migrationen im Donauraum 2013. Herausgeber des Katalogs in serbischer Sprache DAS MUSEUM DER VOJVODINA