....Des ersten tod, des zweiten not, des dritten ....brot
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Das von den zukünftigen Bewohnern bewohnte Gebiet war in den ersten Jahrzehnten absolut ungeeignet zum Wohnen. Eine weitläufige Ebene voller Teiche und Pfützen, die mit Schilf, Riedgras und anderen Teichpflanzen bewachsen sind, ohne Trinkwasserquellen und mit seltenen Inseln mit höherem Gelände, auf denen man das Leben mit dem Bau eines Hauses beginnen konnte. Dieses Gelände führte auch zu einem eigenen Mikroklima, das (Gelände und Mikroklima) ideale Bedingungen für das Leben und die Fortpflanzung zahlreicher Insekten, Träger von Infektionskrankheiten, vor allem kleiner Stechmücken, darstellte. Solche Bedingungen sagten zahlreiche Todesfälle, vor allem der ersten Siedler, voraus. Erst der zweiten Generation gelingt es, die "Teich"-Krankheiten zu bekämpfen, vor allem durch den Bau von Häusern und das Graben von Trinkwasserbrunnen.

Aus dieser Zeit, der Besiedlungszeit des mittleren Donauraumes, stammt das Sprichwort DES ERSTEN TOD, DES ZWEITEN NOT, DES DRITTEN BROT.

Die Donauschwaben, die relativ zahlreichste Volksgruppe in der Vojvodina 1 bis zum Zweiten Weltkrieg war, ließen sich als Angehörige zahlreicher deutscher Stämme ab 1716 im Rahmen des Projektes des österreichischen Kaiserreichs zur Besiedlung verwüsteter, gedämpfter und sumpfiger Gebiete in der pannonischen Tiefebene, d.h. dem Gebiet der heutigen Vojvodina, nieder. Obwohl es einige Hinweise gibt, dass die erste Siedlergruppe 1712 die Vojvodina erreichte, sollte 1716, was wissenschaftlich belegt und bestätigt wurde, als genaues Jahr angenommen werden.

Durch die Ansiedlung im Gebiet der heutigen Vojvodina brachten die Donauschwaben die damalige westeuropäische Kultur mit. Sie setzten hygienische Gewohnheiten, neue Erkenntnisse aus der Landwirtschaft wie die intensive Viehzucht (Aufzucht und Pflege von Vieh in Innen- und überdachten Räumen), neue Erkenntnisse in der Bodenbearbeitung: ein Pflug, der den Boden nicht nur pflügte, sondern auch wenden konnte, Fruchtfolge, damit das Land nicht mehr alle drei Jahre "verwüstet" wird, ein. Darüber hinaus brachten sie neue Erkenntnisse im Bereich Urbanismus und Architektur mit, damit Lebensräume im Freien gebaut werden können, und nicht nur durch Graben in den Hügeln ‒ am Anfang die sogenannten Schilfhäuser, dann Lehmhäuser, na ja ..., bis hin zu Häusern höchster Qualität, die am Vorabend des Zweiten Weltkriegs gebaut wurden, den sogenannten "Schwäbischen Häusern".

Mit der Ausstellung MIGRATION IM DONAURAUM ‒ die Ansiedlung der Deutschen im 18. Jahrhundert und ihre Folgen 2 und den begleitenden Texten und weiteren Beiträgen haben die Autoren die Besiedlung der Deutschen im mittleren Donauraum detailliert und präzise "gescannt". Heute liegt der mittlere Donauraum größtenteils in Serbien, der heutigen Vojvodina.

In dem unwirtlichen Gelände, auf dem sie sich niederließen, hatten sie keine Freunde, aber einen Feind, der sie nicht gerne aufnahm. Viele starben schon in den ersten Jahren.

Im Text auf Seite 96 setzt der Autor den Titel zutreffend:

"Aber ich musste schon zwei Ehemänner begraben."

Die Autoren führen weiter aus:

„Viele Kolonisten fallen auch schlecht vorbereiteten Kolonisationsmaßnahmen zum Opfer …“

Aber der oft angeführte Spruch "des ersten Tod, des zweiten Not, des dritten Brot" ‒ zumindest in den ersten Jahren nach der Kolonisation ‒ beruht dagegen auf der historischen Realität. Dies ist auf die unglaublichen Anstrengungen zurückzuführen, die in den frühen Tagen in die Existenzgründung investiert wurden. Dies gilt insbesondere dort, wo die Niederlassungsbedingungen ungeregelt waren, wo Familien die Versorgung und Unterkunft nicht gewährleistet wurden. Dazu kommen Krankheiten, denen die Kolonisten, durch Anstrengung und Klimawandel geschwächt, oft erlagen.“

Dem Text auf Seite 97 gibt der Autor den Titel "Ledigen, Witwen und Witwer und Waisen":

„In den ersten Jahrzehnten der Kolonisation gab es unter den Ehepaaren auffallend viele Witwen und Witwer. Neben der hohen Sterblichkeitsrate ist dafür auch die Überlebensstrategie der Kolonisten verantwortlich: Witwen und Witwer können den Haushalt nicht alleine führen. Deshalb müssen sie – oft innerhalb weniger Wochen nach dem Tod ihres Ehepartners – wieder heiraten.“

Die schwierigen Lebensbedingungen werden durch den Boden, auf dem sie sich niedergelassen haben, zusätzlich erschwert. Das mit Teichen, Pfützen und dichten Vegetation bedeckte Gelände erforderte viel Arbeit, um zumindest minimale Bedingungen für ein normales Leben zu schaffen. Nach dem Bau eines Hauses und dem Ausheben eines Brunnens musste der Boden von dichter Vegetation befreit, Teiche und Pfützen trockengelegt werden, um Ackerland für die Landwirtschaft zu gewinnen. Dann war es notwendig die Bedingungen für das Leben und die Pflege von Vieh zu schaffen. All dies erforderte übermenschliche Anstrengungen, aber die Mühe hat sich gelohnt, auf dem Boden des ehemaligen Pannonischen Meeres wurde eine fruchtbare Oase geschaffen und für das Leben der Bewohner, aber auch für das Leben zukünftiger Generationen angepasst.

Erst die dritte Generation der Siedler kam durch Erbschaft ihrer Vorfahren zu besseren Lebensbedingungen. Sie erbten gepflegte Siedlungen mit gebauter Infrastruktur, qualitativ hochwertige landwirtschaftliche Flächen, geschützt durch lange Deiche entlang der Donau und Theiß (heute ist es der "Donau-Theiß-Donau" Kanal), sowie ein Verhalten im Einklang mit den Grundsätzen der guten Nachbarschaft und des Zusammenlebens mit anderen und unterschiedlichen, das sie aus ihrer Heimat mitbrachten. Das haben sie geerbt, und sie haben sich Kenntnisse in Ackerbau, Handwerk, Bildung, Wissenschaft und Kultur selbst angeeignet.

Die heutigen Generationen, wie auch viele vor ihnen, erfreuen sich heute an den Ergebnissen der Arbeit von Generationen der Donauschwaben, die sich nicht nur in materiellen Gütern, sondern vor allem auch in der Kultur, aber auch in Bildung und Wissenschaft widerspiegeln. Die Donauschwaben sind stolz darauf, einen großen und entscheidenden Beitrag zur Schaffung einer neuen Welt der Vergangenheit geleistet zu haben, erwarten aber auch, dass die heutigen Generationen das als ihr Opfer für ein besseres Leben künftiger Generationen akzeptieren und mit dem Zusammenleben und der gutnachbarlichen Beziehungen fortsetzen. Gute Gastgeber zu sein und neue Migranten als Freunde zu akzeptieren.

Stjepan A. Seder


1 - Nach den Daten des GENOZID GEGEN DIE DEUTSCHE MINDERHEIT IN JUGOSLAWIEN 1944-1948 lebten 1940 über 500.000 Donauschwaben ‒ Deutsche in der heutigen Vojvodina. Gleichzeitig lebten in der Vojvodina weniger als 500.000 Serben und weniger als 500.000 Angehörige aller anderen Nationen (Ungarn, Rumänen, Tschechen, Slowaken, Kroaten usw.). Da bei dieser und früheren Volkszählungen die Bürger nicht nach Nationalität, sondern nach Religionszugehörigkeit und Sprache gezählt wurden, ist es nicht möglich, die Zahl der Angehörigen anderer Nationen genauer zu bestimmen. In Bezug auf Donauschwaben sind die Daten zuverlässig, da die Forschungsarbeiten von Kulturinstitutionen aus Deutschland alle besiedelten Orte in der Vojvodina erfasst haben.
2 - Gerhard Seewan: Migrationen im Donauraum 2013. Herausgeber des Katalogs in serbischer Sprache DAS MUSEUM DER VOJVODINA